Das muss rein!
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Antonia Klumbies
aus Karlsruhe
Das muss rein! 17.10.2026
In der evangelischen Kirche luft seit Jahren ein ziemlich groes Projekt: ein neues Gesangbuch. Mehr als 17.000 Liedvorschlge standen auf dem Prfstand. Welche Texte sprechen Menschen heute an? Welche Lieder tragen durchs Leben? Und welche werden wir auch noch in zwanzig oder dreiig Jahren singen?
Einige Lieder sind Klassiker. Die standen vermutlich nie ernsthaft auf der Kippe. Zum Beispiel Lobe den Herren, den mchtigen Knig der Ehren. Viele knnen wenigstens die erste Zeile mitsingen. Die Melodie wird schnell zum Ohrwurm. Kaum ein evangelisches Kirchenlied ist so bekannt.
Geschrieben hat es Joachim Neander. Ein heute fast vergessener Liederdichter aus Bremen. Er hat im 17. Jahrhundert gelebt. Mit Neander ist bis heute eine ungewhnliche Geschichte verbunden. Er hat die Natur geliebt. Ein Tal bei dem kleinen Fluss Dssel in der Nhe von Dsseldorf wurde zu seinem Lieblingsort. Dort hat Neander gebetet, mit Gott gesprochen und viele Lieder gedichtet.
Nach seinem frhen Tod wurde das Tal nach ihm benannt: das Neandertal. Damit knnte die Geschichte zu Ende sein. Aber: Fast zweihundert Jahre spter stoen Arbeiter bei Steinbrucharbeiten genau dort auf die Knochen eines Urmenschen. Wir nennen ihn bis heute Neandertaler. So ist ein Kirchenlieddichter zum Namensgeber eines Urmenschen geworden.
Ich finde das faszinierend und auch verrckt! An einem Ort in Nordrhein-Westfalen treffen zwei groe Fragen aufeinander. Joachim Neander hat dort nach Gott gefragt, die Forscher nach dem Menschen.
Genau genommen stecken beide Fragen auch in Neanders Lied Lobe den Herren, den mchtigen Knig der Ehren. Denn das Lied singt von einem Menschen, der sein Leben nicht allein tragen muss. Von einem Menschen, der begleitet, getragen und geliebt wird.
Vielleicht erklrt das, warum Lobe den Herren" auch heute in der Liedauswahl fr das neue Gesangbuch auftaucht. Natrlich hilft die eingngige Melodie. Viele haben sie sofort im Ohr. Aber zu der Melodie kommt noch der Text, der bewirkt, dass es seit dreieinhalb Jahrhunderten weiterhin gesungen wird. Dieses Lied bleibt, weil es von Fragen singt, die Menschen bis heute bewegen. Wer bin ich? Zu wem gehre ich?
Es gibt Lieder fr einen Sommer. Und es gibt Lieder, die durch ein ganzes Menschenleben tragen knnen. Lobe den Herren" gehrt fr mich in die zweite Kategorie.
Und wer wei: Vielleicht wird es heute irgendwo ganz nebenbei wieder angestimmt.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorlnder (martin.vorlaender@gep.de)
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