Die Seligpreisungen in Isolation
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/15802/die-seligpreisungen-isolation
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00:00:00: Am einunddreißigsten Oktober im Jahr fifteenhundert und siebzehn hat der Augustiner Münch Martin Luther in Wittenberg Thesen gegen die kirchlichen Missstände seiner Zeit veröffentlicht.
00:00:11: Das hat die Reformation ausgelöst, und die Welt bis heute verändert.
00:00:16: Luther wollte die Kirche zu ihrem geistigen Ursprung im Evangelium zurückführen.
00:00:21: In den Gottesdiensten heute am Reformationstag wird aus dem Evangelium gelesen – Aus der Bergpredigt von Jesus!
00:00:29: Jesus redet dort von Armut und Sanftmut.
00:00:32: Und sagt, seelig sind die Barmherzigen, denn sie werden BarmHerzigkeit erlangen – Worte, die die Welt umarmen!
00:00:41: Die Bergpredigt braucht keine Schmetternden von Fahren, Glanz- und Bühne.
00:00:45: wie Jesus spricht von Barm Herzigkeit, von Hunger und Durst nach Gerechtigkeit.
00:00:50: das kann überall Raum finden selbst in einer Isolationszelle unter bedrückenden Umständen.
00:00:57: Ich denke an Alexei Navalny.
00:01:00: Als Regime-Kritiker in einem russischen Lager vergiftet, ist er vor fast drei Jahren ums Leben gekommen.
00:01:07: Was Navalny noch aufschreiben konnte hat mich bewegt – er schreibt «Hier drin studiere ich gerade die Bergpredigt, weil mir seit über einem Monat ob er es glaubt oder nicht keine anderen Bücher außer der Bibel erlaubt wurden.».
00:01:21: Die Bergpredigt ist ein Vergnügen und ich beschloss, dass sich sie ebenso gut auswendig lernen könnte.
00:01:28: Statt Vergeltung oder Bitterkeit, Sanftmut – und Barmherzigkeit!
00:01:33: Für Nawalny war das eine Haltung in die er sich hineinhalten und hinein glauben konnte vielleicht auch.
00:01:41: Ich versuche mir vorzustellen ob mir das in dieser Situation auch gelungen wäre, wäre mir diese Kraft geschenkt worden?
00:01:49: Die Kraft, mich in allem an die Worte zu halten, die eine andere Welt beschreiben, die es nur in der Sprache der Hoffnung gibt?
00:01:56: Selig sind sie Friedfertigen.
00:01:58: Sie werden Gottes Kinder
00:02:00: heißen.".
00:02:01: Navalny war in einer schweren Lage davon ausgegangen, dass der Glaube das Leben einfacher macht.
00:02:06: – Das ist kein Leersatz!
00:02:08: So etwas lässt sich nur persönlich sagen.
00:02:12: Sogar hinter verschlossener Gefängnestür sich in einen Horizont hineinzugeben, als Schikanen und Zwang.
00:02:20: Ich lebe Gott sei Dank in Freiheit, auch ohne so furchtbares Unrecht erlebt zu haben, nehme ich Navalny's Satz auf – der Glaube macht das Leben einfacher!
00:02:30: Wann war das bei mir so?
00:02:32: In vielem, dass mich alltäglich in die Pflicht nimmt, stehen die Worte des Glaubens auch mal wie eine vergessene Tasche in der Ecke zu schwer für den Tag.
00:02:41: Dabei tragen doch die Werte Mich, was Jesus
00:02:44: sagt."
00:02:45: soll nicht für Sonder-Situationen reserviert sein, beim Herzig sein und selbst beim Herzigkeit erfahren keinen Ort.
00:02:53: Und keine Zeit will ich mir denken ohne diese Nähe Gottes, ohne Gottes beim
00:02:58: Herzlichkeit.".
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