Als flögen wir davon

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15885/als-floegen-wir-davon

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00:00:00: Mit vierundvierzig verlor Michaela ihren fast gleichaltrigen Mann.

00:00:04: Zusammen führten sie einen großen landwirtschaftlichen Betrieb.

00:00:08: Fred, der Ehemann, wollte mit dem Traktor statt mit dem Rasenmäher die große Wiese am Hang hinter dem Wohnhaus mähen.

00:00:16: Der große Traktor kippte um, am Hang hinterm Haus und erschlug Fred.

00:00:22: Fast zwanzig Jahre lang haben Michaela und Fred erfolgreich ihren Betrieb geführt.

00:00:27: Michaela sagt Wir waren in den zwanzig Jahren nicht einmal im Kino, nie im Theater, selten mal im Urlaub.

00:00:35: Dann aber auch nur vierzehn Tage lang – wir haben nur

00:00:38: gearbeitet.".

00:00:40: Ich glaube Michaela trauerte auch dem Kino und dem Theater nach.

00:00:44: Ja!

00:00:45: Dass die beiden so wenig Zeit miteinander verbracht haben, so wenig zeit miteinander für schöne Dinge, das erschütterte die Frau nach dem Tod ihres Mannes.

00:00:57: Ein Jahr nach dem Tode ihres Mannes entschied Michaela, eine weitere Hilfskraft einzustellen und sich jede Woche einen freien Tag zu nehmen.

00:01:04: Das hatte sie bisher nicht aus Kostengründen – das musste einfach gehen, sagt sie jetzt!

00:01:10: Sie werde sich nun Zeit nehmen für sich selbst, die Tochter.

00:01:14: In der Trauer über das Nichtgelebte Leben, über das verpasste Leben habe sie erkannt was wichtig

00:01:19: ist."

00:01:20: Unser Leben fährt schnell dahin als flögen wir davon.

00:01:25: Lehre uns Bedenken, dass wir sterben müssen.

00:01:28: Auf das wir klug

00:01:29: werden.".

00:01:30: Heißt es im Psalm neunzig?

00:01:33: Bedenke, dass Wir sterben Müssen.

00:01:35: Das gehört in den November An aller Seelen an Toten oder Ewigkeit.

00:01:39: Sonntag geht Es um das Gedenken an die Toten Und damit immer Um Die eigene Endlichkeit Denn unser Leben fährt Schnelle Dahin Als Flögen wird davon.

00:01:51: Obwohl ich Den Satz so oft gesprochen habe krieg Ich Immer noch So ein Anflug von Gänsehaut Als flögen wir davon.

00:02:00: Das Leben fährt!

00:02:03: Mit Lebensplanung ist ja oft gemeint, dass ich am Steuer meines Lebens sitzen und selbst entscheiden soll was läuft und was nicht.

00:02:12: Und doch Nicht selten ist es so das sich gefahren werde Dass das Leben mit mir fährt.

00:02:19: Und manchmal fährt es mit uns auch Schlitten.

00:02:22: Und es fährt schnell Fährt schnell dahin.

00:02:25: Fast melanchole stimmt mich das Wörtchen Dahin.

00:02:29: Trotz Lebensplanung und Prioritätensetzung fährt das Leben schnell dahin.

00:02:35: Wohin?

00:02:36: Dahin!

00:02:39: Alles Fleisch, es ist wie Gras, dass am Morgen blüht und am Abend verdorrt.

00:02:46: Wer das einmal gehört hat in Brahms ein deutsches Requiem kann's nicht mehr vergessen – die Melodie nicht, die Kesselpaucke nicht und den Text nicht.

00:02:55: Psalm neunzig redet Tachles, er macht uns nichts vor Statt all der gängigen Beschönigungen und Illusionen, man sei immer so jung wie man sich fühle.

00:03:05: Auch uralte Menschen können vital sein und fit, leistungsfähig und gesund wenn sie nur das richtige Mittelchen nehmen.

00:03:13: Wirkliches Alter darf es nicht geben!

00:03:15: Keine Krankheit, keinen gebückten Rücken keine

00:03:18: Langsamkeit.".

00:03:19: Psalm neunzig redet Tacheles allerdings in poetischer Sprache In der Sprache der Dichter die es leichter macht die Realität anzunehmen.

00:03:28: Unser Leben wehrt siebzig Jahre.

00:03:31: Und wenn's hochkommt, so sind es achtzig Jahre und was daran köstlich scheint ist doch nur vergebliche Mühe.

00:03:39: In den alten Luther-Übersetzungen hieß es Ist's mühe und Arbeit gewesen.

00:03:45: Die Sicht des Alten Psalms entlastet.

00:03:49: Das Versprechen von ewiger Jugend ist eine Illusion.

00:03:53: Menschen dürfen auch heute alt werden Gebrechtlich langsam und gebückt und güthig, und nachsichtig.

00:04:03: Es hilft darum zu bitten, Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen auf das Wir klug werden – und das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden können!

00:04:14: Und Weisheit, Güte und Nachsicht uns einfach zu wachsen

00:04:19: lassen.".

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