Grabpflege
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/15886/grabpflege
Transkript anzeigen
00:00:00: Jahrelang hat Fine das Familiengrab gepflegt, in dem Eltern und Großeltern liegen.
00:00:05: Wie man das so macht?
00:00:06: gegossen die Büsche beschnitten, blühende Pflanzen gesetzt und Unkraut gejäte den alten Stein mühsam abgebürstet – ja!
00:00:13: Einmal hat sie weißen Ziersplitt gekauft, Carrara-Split, den Sack zum Grab geschleppt und damit einen kleinen Pfad angelegt.
00:00:22: Seit ein paar Jahren geht sie nicht mehr zum Grab.
00:00:25: Die Grabslege hat sie aufgegeben.
00:00:27: Das führte zu heftig in Auseinandersetzungen mit den Geschwistern.
00:00:32: »Ich habe immer versucht, das Grab schönzumachen« sagt Fine.
00:00:36: Und dann kommt es aber!
00:00:37: Ich habe versucht etwas Schönes zu machen was nicht schön war.
00:00:41: Nicht schön war Fines Verhältnis zum Vater.
00:00:45: Aus banalen Anlässen hatte sie eine Kindheit lang geschlagen.
00:00:49: Abitur durfte sie keins machen – Sie musste in eine Lehre gehen.
00:00:56: und ich habe Jahre gebraucht, bis ich endlich groß geworden bin und an mich geglaubt habe.
00:01:02: Heute will sie nicht mehr schön machen was nicht schön war.
00:01:06: Während der Grabpflege habe Sie oft mit dem Vater geredet und ihm gesagt, dass er sich zu seinen Lebzeiten nichts zu sagen getraut hatte.
00:01:15: Und bei diesem Reden sei ihr klar geworden – sie will dieses Grab nicht mehr pflegen!
00:01:21: Erst als Rentnerin hat Fine diese Entscheidung getroffen.
00:01:26: Die Grabpflege Die Beschäftigung mit dem verstorbenen Vater und seiner Gewalt wären sie die Büscheschnitt.
00:01:32: Das hat sie ganz so anders hingeführt, unter anderem zu sich selbst.
00:01:38: Sie hat ihren Schmerz gespürt – und ich vermute auch die alte Wut und die Ohnmacht!
00:01:45: Finis Beispiel spricht nicht gegen Grabpflege und erst recht nicht gegen das Totengedenken an aller Seelen oder totem Sonntag jetzt im November.
00:01:54: Im Gegenteil, das Totengedenken tut der Seele
00:01:57: gut.".
00:01:59: Das Nachdenken über den Vater bei der Grabpflege hat Fine gut getan.
00:02:04: Sie hat in einem schmerzlichen Prozess etwas erspürt!
00:02:08: Ich will in meinem Leben nicht mehr schön machen und auch nicht mehr schon reden, was nicht schön war.
00:02:14: Nicht wenige Hinterbliebene tun genau dies.
00:02:18: Fines Haltung mag ihren Geschwistern befremdlich erscheinen – ihr hat sie geholfen.
00:02:25: Kann man nicht jederzeit an die Verstaubenden denken?
00:02:28: Wann immer man will… Wann immer einem danach ist, muss das im November sein?
00:02:34: Selbstverständlich können Menschen das so machen.
00:02:37: Scheint auch in unsere Zeit zu passen!
00:02:40: Erdbeeren im November und Spargel an Weihnachten kann man machen.
00:02:44: Bloß wenn alles immer da ist gibt es nichts mehr zu erwarten und es gibt nichts was wieder verschwindet.
00:02:53: Und Weihnachten isst nicht wenn mir danach ist.
00:02:56: Weihnachten ist am fünfundzwanzigsten Dezember Und aller Seelen und toten.
00:03:01: Sonntag sind im trüben November, nicht in blühenden Hochsommer.
00:03:06: Im Kirchenjahr bleiben Zeiten unterscheidbar.
00:03:10: Es steht dafür das Weihnachten und Ostern und Pfingsten- und Erntedank eben nicht in eines Fallen.
00:03:17: Alles hat seine Zeit – im Kirchenjar auch das Totengedenken!
00:03:22: Und damit erkennen Menschen an dass sie ihre Zeit nicht selbst bestimmen.
00:03:27: Meine Zeit steht in deinen Händen betet Psalm einund dreißig.
00:03:32: Ich will diesen November dazu nutzen, an meine Toten zu denken – an das was gut war und wofür ich dankbar bin.
00:03:38: Aber auch an das, was nicht schön war wie Fine sagt!
00:03:43: Also die schmerzlichen Erinnerungen zulassen.
00:03:47: Dazu ist im November Zeit.
00:03:50: Auch alter Schmerz, Angst, Unmacht und Wut gehören zur Trauer.
00:03:55: Wenn Menschen sie spüren und Gott vor die Füsse schmeißen wieder stehen Sie der
00:04:00: Resignation.".
00:04:02: Und der November darf dann auch wieder verschwinden.
00:04:05: In knapp vier Wochen ist Advent eine ganz anders gefärbte Zeit im Jahr, alles hat seine Zeit!
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