Ohne Panik. Evangelische Kirche
Shownotes
"Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik" heißt dieses Jahr die evangelische Fastenaktion. Das ist ja wirklich eine aktuelle Herausforderung: Bei allem, was sich in Politik, Gesellschaft und Klima abspielt, doch Ruhe und Hoffnung zu bewahren. 14989 https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/14989/ohne-panik
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Barbara Manterfeld-Wormit
aus Berlin
Ohne Panik 05.03.2025
Schade, schon Aschermittwoch. Ich finde ja, es liegt schon genug Asche auf den Tagen. Doch das Kirchenjahr geht weiter und der politische Aschermittwoch ist dran mit deftigem Austeilen gegen den politischen Gegner. Es gehört aus meiner Sicht zu den positiven Seiten des Wahlkampfs, dass er medial zu einer neuen Diskussionskultur geführt hat. Da gab es Sendeformate, die bewusst eine demokratischere Form des Austauschs geübt haben mit mehr Bürgerbeteiligung und Themenvielfalt und weniger erwartbarem Talkformat.
Es ist etwas anderes, wenn der Stahlarbeiter aus dem Ruhrpott einen Kanzlerkandidaten nach seiner Rente befragt und keine Politikerausflüchte und Floskeln mehr greifen. Ich fand es gut, wie da sichtlich nach einer neuen Sprache gesucht und manchmal auch darum gerungen wurde, oft wertschätzend und ganz selten sogar mit dem Einräumen von Fehlern und Versäumnissen. Das tut unserem Land gut. Es gab aber auch die anderen Formate, die nicht nur dem Namen nach an eine Wahlkampfarena erinnerten, wo es um Hieb und Gegenhieb ging, um Tempo und Austeilen und wer schneller, lauter und am Ende stärker ist.
Auch der politische Aschermittwoch ist eher von dieser Gesprächskultur geprägt. Die evangelische Fastenaktion Sieben Wochen Ohne geht andere Wege. Sie steht unter dem Motto: Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik. Das ist ja wirklich eine aktuelle Herausforderung: Bei allem, was sich in Politik, Gesellschaft und Klima abspielt, doch Ruhe und Hoffnung zu bewahren. Nicht durchzudrehen oder zu resignieren. Vor allem: nicht selber zur Wutbürgerin zu mutieren und noch lauter zu werden als andere schreien. Auf den Hass der anderen nicht selbst hasserfüllt zu werden. Stattdessen: Ruhe bewahren und einen kühlen Kopf. Das kostet Mut und kostet Kraft. Und braucht vor allem Räume, wo dieses Luft Holen möglich ist.
Die Fastenzeit bietet so einen Raum und zeitlichen Rahmen. Jesus selbst hat es vorgemacht: In besonders aufgeregten Zeiten zog er sich zurück, ließ andere Stimmen erstmal an sich abperlen, um seine innere Stimme wahrzunehmen und die Stimme Gottes, die sein Kompass war. Eine biblische Erzählung treibt das sogar auf die Spitze: Als ein wütender Mob eine Frau steinigen will, die des Ehebruchs angeklagt wird, fragt man Jesus nach seinem Urteil. Er bückt sich und malt wortlos etwas in den Sand. Holt erstmal Luft, ehe er etwas sagt. In der Wahlarena war einer der Fragenden übrigens so aufgeregt, dass er zu stottern begann. „Lassen Sie sich Zeit“, war die beruhigende Reaktion des Gegenübers. Das tut dem Diskurs in so erregten Zeiten gut. So fang ich an: Ich hole erst einmal – Luft.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)
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