Die Kunst des Zuhörens

Shownotes

Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/14866/die-kunst-des-zuhoerens

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Julia Rittner-Kopp

aus München

Die Kunst des Zuhörens 22.02.2025

Morgen Abend werden wir es wissen. Wir werden auf die Ergebnisse der Bundestagswahl schauen, alles noch vorläufig. Wir werden Zahlen und Balken in unterschiedlichen Farben wachsen und schrumpfen sehen. Eines ist immer gleich an Wahlsonntagen: Die Kunst des Zuhörens ist in besonderer Weise gefragt. Alle Gefühle sind beteiligt: Angst, Wut, Enttäuschung, Freude, Triumph, Neid…

Am Tag danach müssen Gespräche geführt werden. Das sagen Politikerinnen und Politiker oft nach Wahlen. Welche Koalitionen sind denkbar und zu welchem Preis?

Über allem und als Glutkern von allem steht in Leuchtschrift ein Wort: Demokratie. Nicht mehr und nicht weniger. Angeblich sind alle dafür. Und für Freiheit. Da lohnt es sich, gut hinzuhören. Zwischen den Zeilen lesen, das Kleingedruckte. Nicht vorschnell urteilen, nicht vorschnell vertrauen.

Wer Ohren hat zu hören, der höre, sagt Jesus einmal.

Das verlangt uns allen viel ab. Ich will in einer Gesellschaft leben, die gut hinhört - mit allen Verstandes-Ohren. Und mit dem Herzen auch.

Auf Social Media gibt es einen Trend, der heißt: „We listen and we don´t judge.“ Wir hören zu, und wir urteilen nicht. So neu ist die Idee ja nicht. Zuhörregeln, Gewaltfreie Kommunikation – das kennt man schon jahrzehntelang und länger. Aber offensichtlich ist das vorbehaltlose Zuhören gerade besonders wichtig geworden.

Die Chefdirigentin des Berliner Konzerthausorchesters, Joana Mallwitz, hat Ende letzten Jahres eine Rede gehalten, direkt vor einem Konzert. Man kann sie im Netz nachlesen. Das lohnt sich. Hintergrund sind die massiven Kürzungen im Kulturbereich. Sie glaube an die Kraft des Zuhörens, sagt Joana Mallwitz. Zuhören verändert etwas in uns - und gemeinsames Zuhören wie in einem Konzert tut einer Gesellschaft gut. Weil es verbindet, weil es uns zu Verbündeten macht. Über alle Unterschiede hinweg.

Musik kann das. Politik ist anders. We listen and we don´t judge – das muss im Rahmen der Demokratie geschehen. Vorurteilsfreies Zuhören. Allerdings muss es nach dem Zuhören zu einer Entscheidung kommen. Als Christin versuche ich, dass Zuhören und Entscheiden im Sinne Jesu geschehen, nach Gottes Gebot. Den Fremdling aufnehmen. Die Schöpfung bewahren. Friede und Gerechtigkeit sollen sich küssen. Worte, von denen ich hoffe, dass ich sie in den kommenden vier Jahren oft hören werde. Und dass sie beherzigt werden.

Es gilt das gesprochene Wort.

Anmerkungen:

(1) Die Rede von Joana Mallwitz ist nachzuhören bei: https://www.youtube.com/watch?v=LxMtHBNKDRY

Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)

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