Schneehase

Shownotes

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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur

Pfarrerin Barbara Manterfeld-Wormit

aus Berlin

Schneehase 03.03.2025

Sein lateinischer Name ist Lepus timidus varronis. Er hat große Füße und verbindet Alkohol mit süßem Geschmack, wenn man ihn als Getränk bestellt: der Alpenschneehase. Heute ist der Tag des Artenschutzes. Da will ich den flauschigen Gesellen aus Fell gern für einen Augenblick in den Mittelpunkt rücken, denn er gehört zu den weltweit bedrohten Arten. Auch deshalb wurde er zum Tier des Jahres in Deutschland bestimmt.

Sein Bild ziert viele Plakate, und tatsächlich süß kommt er daher mit seinem weißen Fell und seinen langen Ohren. Fast wie aus einem Disneyfilm entsprungen und genauso süß wie das, was einem als Getränk auf einer Skihütte geliefert wird, wenn man einen Schneehasen bestellt: warmer Eierlikör mit Sahne.

Die Realität des Tieres sieht leider weniger berauschend aus. Es lässt sich denken, warum: zu wenig Schnee, zu wenig Ruhe und Lebensraum durch Ausweitung des Skitourismus, zu viel Konkurrenz nicht zuletzt durch einen Artverwandten, den Feldhasen. Da auch ihm der ursprüngliche Lebensraum beschnitten wird, zieht es ihn weiter nach oben in die Höhe der Alpen. Dort konkurrieren die beiden dann ums selbe Futterangebot. Auch das eine Folge des Klimawandels.

Mir kommt beim Thema Artenschutz immer und zuallererst die uralte Geschichte aus der Bibel in den Sinn: Noah und die Arche. Ein schwimmender Kasten, ein Mann übernimmt Verantwortung: Er warnt vor der drohenden Katastrophe, die Menschen wollen nicht hören, nur die Tiere sind gescheit. Sie folgen paarweise der Einladung aufs Schiff und überleben die Sintflut. Ach, wenn es doch so einfach wäre.

War es damals tatsächlich auch für Noah nicht. Er machte sich keine Freunde mit seinen Vorhersagen einer Naturkatastrophe. Er hatte kaum Mitstreiter. Das Schiff musste er alleine mit seiner Familie bauen. Ein Riesenprojekt mit ungewissem Ausgang. Nur etwas für einen mit Mut und Tatkraft und der Fähigkeit, Vertrautes loszulassen.

An beide – an Noah und den flauschigen Alpenschneehasen - denke ich heute. Auch wenn manche das immer noch nicht wahrhaben wollen: Wir sitzen ja tatsächlich alle in einem Boot, Tiere und Menschen. Wir müssen uns beide anpassen an den Klimawandel. Wir brauchen Konzepte: mehr Grün in den Städten, weniger Skikanonen auf den Pisten, mehr geschützten Lebensraum und mehr Verantwortung füreinander – auch für unsere Schöpfungsgeschwister wie zum Beispiel den Schneehasen. Damit es ihn nicht irgendwann nur noch auf der Getränkekarte gibt.

Es gilt das gesprochene Wort.

Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)

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