Frauengefluester
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/wort-zum-tage/14992/frauengefluester
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Pfarrerin Barbara Manterfeld-Wormit
aus Berlin
Frauengeflüster 08.03.2025
Heute ist Internationaler Frauentag. In Berlin ist er ein gesetzlicher Feiertag genau wie in Mecklenburg-Vorpommern. Geschäfte zu und Zeit für ein paar eigene und sehr persönliche Gedanken zum Thema Gleichberechtigung und Frauenrechte.
Ich habe drei Töchter – und allein das ist schon Grund zum Feiern, genau wie es toll ist, einen Sohn zu haben. Sie wachsen in einem Land voller Möglichkeiten auf, sind selbstbewusst, stark und fröhlich.
Ich selbst war schüchterner in ihrem Alter, mein Selbstbewusstsein kam später. Ich verdanke es nicht zuletzt meiner Mutter und Großmutter – auch beide mutig und selbstbewusst auf ihre Art zu ganz anderen Zeiten mit sehr klaren Rollenzuschreibungen, die heute aufgebrochen und fließender sind – Gott sei Dank!
Und doch fanden meine Mutter und Großmutter Schlupflöcher auch damals – ein Hoch auf die Frauen also, die einander ermutigen, anstatt sich zu bekriegen in ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen.
Dafür steht ein Bild, das ich teilen möchte mit Ihnen an diesem Morgen: kein Bild, eine Statue. In der Kirche San Fermo in Verona. Eine moderne Skulptur. Maria, die Mutter von Jesus steht vorne – schlank und filigran. Sie hält inne in einer Bewegung, weil jemand hinter ihr steht. In der Bibel ist das ein Engel, der Erzengel Gabriel. Er überbringt Maria die Nachricht, dass sie ein Kind erwartet.
Aber bei dieser Skulptur flüstert eine Frau Maria etwas ins Ohr, ganz leise, zaghaft, vorsichtig und vertraut. Zwei Frauen unter sich. Fast so etwas wie ein Beratungsgespräch vor 2000 Jahren. Mariä Verkündigung – geflüstert.
Mir gefällt diese Szene. Sie hat etwas von Gleichberechtigung, etwas Offenes und Befreiendes. Kein überwältigender Engel tritt hier Maria gegenüber, dem sie sich andächtig beugen muss, nein: Eine Frau geht mit. Leichtfüßig, mehr Ratgeberin und keinesfalls bedrängend. Sie lässt Maria Zeit, die Nachricht zu verkraften, die Dinge in ihrem Herzen zu bewegen, sich selber zu entscheiden, den eigenen Weg zu gehen.
Ich habe diese Darstellung nicht vergessen, seitdem ich sie zum ersten Mal in der Kirche San Fermo in Verona gesehen habe. Ich denke dabei an die Kette von Frauen, die mein Leben bis hierher begleitet und bereichert haben: an meine kleine, so unendlich starke Großmutter und meine entschlossene Mutter. Ich denke an meine Töchter und an die Zukunft, die vor ihnen liegt. Und daran, dass ich genau dies sein möchte in ihrem Leben: eine Ermutigerin, nicht vereinnahmend, nicht aufdringlich. Behutsam Anteil nehmend – dezent im Hintergrund. Mit Platz für Eigenes, damit selbstbewusstes Frauenleben gelingen kann.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)
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