Wo Gott wohnt
Shownotes
Die Andacht zum Nachlesen und -hören gibt es auch hier inklusive Download: https://rundfunk.evangelisch.de/morgenandacht/14978/wo-gott-wohnt 14978
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Morgenandacht im Deutschlandfunk
Pfarrerin Petra Schulze
aus Düsseldorf
Tax me now
Genug für alle15.03.2025
Unter meinen Vorfahren gibt es jede Menge Bergleute und Tagelöhner. Oft habe ich als Kind meiner Oma und ihren Tanten zugehört, wenn sie von früher erzählt haben. Als sie jung waren, gab es eine riesige gusseiserne Pfanne über dem Ofen. Die wurde dann auf den Tisch gestellt, und alle aßen gemeinsam daraus die Bratkartoffeln. Heute gibt’s in vielen Haushalten mehrere Pfannen – eine für Fisch, eine für Fleisch oder Gemüse, gusseisern oder aus Edelstahl, in verschiedenen Farben und Dekors.
Wir leben in Deutschland im Überfluss – aber eben nicht alle und nicht überall. Im Blick auf die Welt sieht die Lage noch einmal ganz anders aus.
„Spare, lerne, leiste was, dann hast du, kannst du, bist du was.“ Steht in meinem Poesiealbum. Naja. Fleißige Hände in den Kantinen, an der Kasse, im Reinigungsgewerbe, in der Gastronomie, im Gartenbau oder in der Landwirtschaft verdienen so wenig, dass an so etwas wie Sparen und Vermögensaufbau gar nicht zu denken ist.
Für viele Berufe heißt es: Über 1000 Euro weniger verdienen als die mittlere Lohngruppe – obwohl man viel arbeitet und den Laden am Laufen hält. (1) Es ist noch viel zu tun, einen gerechten Lohn zu schaffen. Fast jedem Fünften in Deutschland droht Armut. Erwerbslose und Alleinerziehende sind besonders häufig armutsgefährdet.
Jesus war wichtig: Wer arbeitet, muss damit auch gut über die Runden kommen können. Unabhängig von der Anzahl der Arbeitsstunden. Jesus erzählt von einem Mann, der Arbeiter für seinen Weinberg braucht. Er engagiert am Morgen Tagelöhner und macht mit ihnen eine Bezahlung aus, mit der sie ihre Familie einen Tag lang ernähren können. Im Lauf des Tages braucht der Mann weitere Arbeiter. Er heuert immer wieder Leute an, die letzten sogar nur für eine Stunde Arbeit.
Am Ende zahlt er allen denselben Lohn. Alle bekommen, was sie für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie an diesem Tag brauchen. Ungerecht!, schimpfen die, die den ganzen Tag geschuftet haben. Aber der Mann sagt: Ihr habt bekommen, was wir ausgemacht haben. Es ist doch meine Entscheidung, ob ich den anderen auch gebe, was sie brauchen. (Matthäus 20,1-16)
Jesus sagt: Es gleicht dem Himmelreich, wie dieser Mann sich verhält. Ein Mensch, der sein Vermögen dafür einsetzt, dass andere gut leben können. Das steckt in dem deutschen Wort „Vermögen“: Dass man etwas vermag. Dass man etwas bewirken kann. Nicht nur für sich selbst. Im Grundgesetz steht das so: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ (GG Art. 14, Absatz 2)
Einige setzen das in die Tat um. Stefanie Bremer hat ein Vermögen geerbt und gehört einer Initiative für Steuergerechtigkeit an. „Taxmenow“ heißt der Verein. Besteuere mich jetzt. Die Initiative kritisiert eine Steuerpolitik, die „systematisch Vermögende privilegiert“. (2)
Steuern sind für Stefanie Bremer ein wichtiges Mittel, um unsere Gesellschaft gerecht zu gestalten. Sie meint: „Vermögensungleichheit in Deutschland und der Welt muss reduziert werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Länder mit hoher Ungleichheit eine schlechtere Gesellschaft haben. Menschen sind weniger gesund, weniger gebildet, weniger erfolgreich und das Bruttoinlandsprodukt geht zurück.“ (3)
Taxmenow – Besteuere mich jetzt. Natürlich kann Stefanie Bemer auch einfach spenden. Aber da bleibt es dann bei der Freiwilligkeit. Mit der Steuer wäre es gerechter verteilt, meint sie. Dann können die, die mehr als genug haben, dafür sorgen, dass alle über die Runden kommen.
Es gilt das gesprochene Wort.
Literatur der Sendung:
1. https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article242413488/In-diesen-zehn-Jobs-verdient-man-am-wenigsten-Geld.html
2. https://www.taxmenow.eu/
3. https://www.michaelsbund.de/innehalten/gesellschaft/gerechtigkeit/die-millionaerin-die-reiche-staerker-besteuern-will/
Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)
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