Prophetin Jane
Shownotes
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Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur
Ulrike Greim
aus Erfurt
Prophetin Jane 17.03.2025
Wie alt ist sie? Jahrgang 37. Die Frau ist 87 Jahre alt. Sie steht auf der Bühne, schön wie eh und je, elegant, Glitzerkleid. Jane Fonda bekommt den Preis der Schauspielergewerkschaft in den USA für ihr Lebenswerk – den Screen Actor Guild Award.
So steht sie im Rampenlicht, kraftvoll und selbstbewusst, und hält eine flammende Rede wie eine Prophetin. Sie sagt, es sei der Job einer Schauspielerin, den Verstand der Leute zu öffnen, sie zum Lachen zu bringen, wenn die Zeiten hart sind – wie jetzt.
Für eine Frau wie sie, die in den 40ern/50ern groß geworden ist, habe gegolten, eine Frau habe keine eigene Meinung zu haben und nicht wütend zu werden. Sie fand es klasse, Rollen von Frauen zu spielen, die wütend sind und eine Meinung haben. Das sei nötig. Ebenso sei es für
sie wichtig und überdies eine Ehre, in einer Gemeinschaft zu sein, die Empathie lebt.
„Unser Job als Schauspielerinnen ist es, einen anderen Menschen zu verstehen – so gut, dass wir Seelen damit berühren“, sagt sie. Empathie sei nicht schwach oder ‚woke‘. „Lasst euch dafür bloß nicht beschimpfen. Jetzt ist es Zeit, dem eigenen Herzen zuzuhören, nicht zu richten, sondern Resilienz aufzubauen gegenüber dem, was auf uns zukommt.“
Das prominente Publikum sitzt teils mit offenem Mund da. Und ich am Bildschirm gleich mit. Hatte ich eben noch Gott um ein Zeichen gebeten, wie man den Nachrichten etwas entgegenhalten kann, kommt hier die Antwort.
Jane Fonda erinnert an Hollywoodgrößen, die widerständig waren, „Hollywood fights back“. „Hat jemand Dokus gesehen über Bürgerrechtsbewegungen und dabei überlegt, was hätte ich getan?“, fragt sie. „Hätte ich den Mut gehabt, über die Brücke zu gehen? Jetzt ist unser ‚documentary moment‘. Das ist keine Generalprobe. Wir müssen uns notfalls kneifen, um mitzukriegen, was gerade passiert. Es ist allerhöchste Zeit. Lasst uns tapfer sein.“
Jane Fonda nennt ein Mittel für Tapferkeit: „Wir dürfen uns nicht isolieren, wir müssen in Communitys zusammentun. Wir müssen den Verwundbaren helfen. Wir müssen Wege finden, inspirierende Visionen für die Zukunft zu entwickeln. Solche, die locken und willkommen heißen. Eine Hoffnung, die verheißt, dass auf der anderen Seite vom Chaos die Liebe wartet. Und die Schönheit. Und ein Ozean an Wahrheit, in dem wir schwimmen werden.“ Der Schluss ihrer Rede ist der schlichte Appell: „Lasst uns das so machen.“
Jane Fonda bekommt tosenden Beifall und geht von der Bühne.
Und ich danke für alle Prophetinnen und Propheten, die alten wie die jungen, die Gott uns schickt, damit wir die Zeichen der Zeit richtig deuten und wissen, was wir zu tun haben, und ein Bild ins Herz bekommen, wie es werden kann.
Es gilt das gesprochene Wort.
Redaktion: Pfarrer Martin Vorländer (martin.vorlaender@gep.de)
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